Ungefähr 50 Acht- und Neuntklässler und ihre Eltern kamen Anfang Juli zu einer Abendveranstaltung ins Ganztagesgebäude, zu der Manfred Schechinger als Beauftragter für die Berufsorientierung (BORS) eingeladen hatte. Ehemalige Schülerinnen und Schüler der Eichendorff-Realschule berichteten über ihre Erfahrungen nach dem Abschluss der Realschule. Sie warfen einen Blick zurück:  Wie war die Situation nach der Mittleren Reife? Vor welche Fragen und Entscheidungen ist man gestellt? Wie geht es weiter nach Klasse 10? Beginne ich eine Berufsausbildung oder besuche ich eine weiterführende Schule? Was hat sich für mich verändert? Die Gäste auf dem Podium schilderten ihre Erfahrungen einem interessierten Publikum und gaben Anregungen.

Die Runde eröffnete Daniel Stötzler, der vor drei Jahren die Eichendorff-Realschule mit der Mittleren Reife abschloss. Spätestens nach dem Berufspraktikum in der neunten Klasse in einer Bank war für ihn klar, dass er eine weiterführende Schule besuchen wollte. Da der technische Bereich für ihn auch nicht in Frage kam, entschloss er sich nach der Mittleren Reife für die Theodor-Heus-Schule. 2012 trat er dort in das internationale Wirtschaftsgymnasium mit bilingualem Unterricht ein. „Das erst Jahr war anstrengend“, meint Stötzler zurückblickend. Aber die Grundlagen, die er an der Eichendorff-Realschule erhielt, bedeuteten eine gute Voraussetzung und erleichterten ihm den Einstieg. Die sechs Jahre an der Realschule möchte er nicht missen. Die nötige Zeit zum Reifen dort sind seiner Meinung nach dem G8 vorziehen. In der elften Klasse absolvierte er im Rahmen der gymnasialen Ausbildung ein fünfwöchiges Praktikum in den USA. „Das war hart, aber gut. Eine fremde Kultur kennen zu lernen, hat viel zu meiner persönlichen Reifung beigetragen“, resümiert er. Vor kurzem hat der ehemalige Schülersprecher der Eichendorff-Realschule erfolgreich das Abitur bestanden. Im Herbst möchte er mit dem Jurastudium beginnen.  

Für Marina Hummel war nach der zehnten Klasse klar, dass sie auf jeden Fall auf eine weiterführende Schule gehen wollte. Es war nur nicht klar welche. Sie entschied sich 2010 für das Biotechnologische Gymnasium (BTG) an der Laura-Schradin-Schule, das ihren Vorstellungen am besten entsprach. „Wählt die Schule, die ihr wollt. Geht auf keinen Fall auf eine Schule, nur weil euer Freund oder Freundin das auch macht“, appelliert sie an die anwesenden Schülerinnen und Schüler. Sechs Stunden Unterricht in Biotechnologie mit praktischen Versuchen in der Woche fand sie gut. „Im Unterschied zur Realschule“, stellt sie fest, „ist man viel mehr auf sich allein gestellt.“ Mittlerweile studiert sie an der Universität in Tübingen die Fächer Spanisch und Geschichte als Lehramt, was ihr nochmals mehr Selbstverantwortung abverlangt. Den anwesenden Schülerinnen und Schülern gibt sie deshalb mit auf den Weg, dass sie auch in der Realschule früh lernen sollen, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.
„Eine Berufsausbildung war nicht mein Ding,“ stellte Jan Wiedemann nach der Mittleren Reife bald fest. Ganz klar war ihm nicht, wohin der Weg führen würde. Da ihn Technik schon immer sehr interessierte, entschied er sich 2010 für das Technische Gymnasium (TG) an der Steinbeiss-Schule, obwohl er sich selbst nicht als Mathe-Freak bezeichnen würde. Elektrotechnik, Mechatronik und naturwissenschaftliche Fächer bildeten den Schwerpunkt. Damals eine große Herausforderung für ihn, zumal keine ehemaligen Mitschüler an der Schule waren. Den anwesenden Schülerinnen und Schülern macht er Mut: “Geht euren eigenen Weg. Ihr könnt mehr, als ihr euch zutraut. Der Weg wird sich finden, wenn ihr eurem Innern folgt.“ Mittlerweile studiert er Maschinenbau im vierten Semester an der Reutlinger FH.  
„Nach der Mittleren Reife wusste ich nicht, welche Ausbildung passen könnte“, stellt Lea Gruschwitz fest. Eine Lehre kam auf keinen Fall in Frage. Schließlich entschied sie sich für das Wirtschaftsgymnasium. Der Übergang war bis auf Mathe nicht zu schwierig. Und obwohl sie Französisch an der Realschule belegt hatte, nahm sie noch Italienisch als weitere Fremdsprache hinzu. Das Wirtschaftsgymnasium empfand sie aufgrund seiner Größe als anonymer. Sechs Stunden Wirtschaftslehre pro Woche und Buchhaltung in der elften Klasse waren eine Herausforderung. Die Fächer Volkswirtschaftslehre und Betriebswirtschaftslehre in der 12. und 13. Klasse erlebte sie dagegen als interessant und leichter aufzunehmen. Das trotz der vielen Nachmittagsunterrichte, die eine große Umstellung bedeuteten. Ihr Fazit: „Das Lernen muss man lernen und mit Ehrgeiz kann man alles schaffen. Man muss sich eben zwingen. Aber mit dem Abi steht einem am Ende dann alles offen.“  Wie schön die Zeit doch in der Schule war, stellte sie dann mit der Aufnahme des Pharmaziestudiums in Freiburg fest. Deshalb riet sie den anwesenden Schülern ihre Schulzeit zu genießen.
Simon Metikidis hatte in der neunten Klasse sein BORS-Praktikum als Elektroniker bei Bosch gemacht. 2010 begann er dort nach der Mittleren Reife die Ausbildung zum Mechatroniker, da er von der Schule zunächst einmal genug hatte. Die ersten Monate bedeuteten eine große Umstellung: um 7.00 Uhr Arbeitsbeginn und um 15.00 Uhr Feierabend. In sechswöchigen Kursen erlernte er im Betrieb zunächst die Grundlagen. Im zweiten Lehrjahr lag der Schwerpunkt auf Elektronik und Mechanik. Parallel dazu besuchte er die Berufsschule. Aber auch bei Bosch musste er immer wieder Tests schreiben und Prüfungen ablegen. Für Noten besser als 2,5 gab es Prämien. „Das wirkt sehr motivierend“, sagt Metikidis, “Die Leistung muss eben stimmen.“ Seit eineinhalb Jahren ist er mittlerweile fest angestellt bei Bosch. Ihm stehen noch viele Wege offen: Erlangung der Fachhochschulreife und Studium, der Technische Fachwirt oder den Meistertitel machen. Zunächst würde er aber gerne für ein Jahr beruflich ins Ausland gehen. Er erwägt einen Auslandsaufenthalt mit schulischen und praxisbezogenen Modulen in den USA, der vom Bundestag mit einem Stipendium gefördert wird.
Hayet Bendjelloul wollte nach ihrem Abschluss 2009 keine Berufsausbildung beginnen. Sie besuchte stattdessen das zweijährige kaufmännische Berufskolleg. Den Übergang dorthin empfand sie nicht als schwierig. Sie arbeitete sich in den kaufmännischen Bereich ein und setzte sich die Fachhochschulreife erfolgreich zum Ziel. Da sie nicht gleich einen Studienplatz bekam, legte sie ein freiwilliges soziales Jahr ein. Danach nahm sie das Studium der Wirtschaftsinformatik an der Hochschule in Reutlingen auf. Das war eine neue Erfahrung: „Man ist auf sich selbst gestellt. Das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen.“ Mittlerweile ist sie im vierten Semester. Als sie damals in ihrer Realschulzeit „Ehemalige“ sagen hörte, dass diese die Schulzeit vermissen würden, konnte sie das nicht nachvollziehen. Mittlerweile geht es ihr auch so.
Für Ihre ehemalige Klassenkameradin Manar Al-Baasi war nach der 10. Klasse nur klar, dass sie keine Berufsausbildung machen wollte. Das Praktikum „Soziales Engagement“ im Kindergarten sprach für sie gegen den Beruf als Erzieherin. Anders war es nach dem BORS-Praktikum in einer Apotheke. Da stand fest, dass sie Pharmazie studieren wollte. Bei einem Tag der offenen Tür hatte sie sich das Wirtschaftsgymnasium angeschaut, das ihr auf Anhieb gut gefiel. 2009 begann sie dort und bedauert heute, dass es damals noch nicht bilingual ausgerichtet war.  Der Übergang auf das Wirtschaftsgymnasium gelang ihr gut, während andere teilweise um zwei Noten absanken. Ein Schullandheimaufenthalt zu Beginn sorgte für ein tolles Klima in der neuen Klasse. „Wir treffen uns heute noch regelmäßig,“ so Manar Al-Baasi.
Manchmal an fünf Nachmittagen und mitunter auch samstags Schule zu haben, war anstrengend für sie: “Aber wenn man am Ball bleibt, kann man das schaffen.“  Nach drei Jahren  schloss sie 2012 mit dem Abitur und einem fundierten Wissen um Wirtschaft ab. Ein anschließendes freiwilliges soziales Jahr im Krankenhaus beendete sie nach einem Monat, da sie die Zusage für ein Pharmaziestudium in Nürnberg erhielt. Nach einem halben Jahr kam dann die schmerzende Erkenntnis, dass dies doch nicht der Traumberuf werden würde.  Da besann sie sich und fragte sich: „Wo bin ich gut? Wo liegen meine Stärken?“ Die Fächer Englisch und Wirtschaft hatten ihr im Gymnasium gut gefallen. Es folgte ein halbes Jahr, das sie mit zwei Praktika im Wirtschaftssektor überbrückte. Heute studiert sie Englisch und Wirtschaft im vierten Semester an der Uni Tübingen. Wenn sie auf ihren Weg zurück blickt, stellt sie fest: “Man weiß nicht immer gleich, wo es lang geht. Es ist wichtig Erfahrungen zu sammeln. Alle Wege führen doch ans Ziel.“   
Es folgte eine offene Runde, in der vor allem die anwesenden Schülerinnen und Schüler der achten Klassen und Eltern ihre Fragen stellten. Welche Voraussetzungen braucht es für den Besuch eines weiterführenden Gymnasiums? Welche Ausbildungsgänge gibt es? Kann ich nach der Schule einen Auslandsaufenthalt machen?  Die Gäste auf dem Podium beantworteten die Fragen und gaben Tipps. Ein zentraler Punkt war immer wieder der Hinweis als Schüler möglichst früh selbst die Verantwortung für sich zu übernehmen. Der Erfolg hängt auch von der eigenen Einstellung ab. Lea Gruschwitz möchte rückblickend die Realschulzeit nicht missen. „Im Vergleich zu heute musste ich in der Schule nicht so viel lernen. Aber dafür habe ich damals die Unterrichtszeit auch genutzt, um aufzupassen,“ fasst sie zusammen. Daniel Stötzler formuliert es noch prägnanter: „Wenn ich etwas verstehen will, dann setz ich mich hin. Ich muss selbst was machen!“ Und er fügt hinzu, „man sollte Hausaufgaben nicht nur als lästige Pflicht sehen.“
Mit einem begeisterten Applaus dankte das Publikum den sieben Ehemaligen, als sie von Herr Schechinger mit Sonnenblumen und guten Wünschen für ihre Zukunft verabschiedet wurden.


(Manfred Schechinger)

 
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