Projekt - Eichendorff-Schule arbeitet für Bildung im Himalaja
Arbeiten, damit andere lernen können
VON SONJA LENZ
REUTLINGEN. Sie hätten im Rahmen ihres Schulprojekts auch in Reutlingen ein Kindergartenfest organisieren können. Nachdem ihnen Gemeinschaftskundelehrer Martin Götz von der indischen Jamyang-Ling Schule im Himalaja und den Lernbedingungen für die knapp 200 Kinder dort erzählt hat, war für die Klasse 9c der Eichendorff-Realschule aber klar, »die haben unsere Unterstützung nötiger«. Seit über einem Jahr arbeiten sie schon im Rahmen des Projekts »Wirtschaft, Verwalten und Recht« (WVR) an dem ehrgeizigen Ziel, ihre ganze Schule auf die Beine zu bringen: Am Dienstag, 17. Juli, sollen möglichst viele Schüler für den guten Zweck schuften.

Babysitten, Rasen mähen bei Verwandten und Bekannten oder praktische Einsätze bei Firmen und in Geschäften gehört zu den Vorschlägen, wie die Schüler Geld für die Spende an die indische Schule zusammenbekommen können. Wer mindestens drei Stunden arbeiten geht, bekommt dafür den Tag schulfrei. Vorab galt es, eine Arbeitgeber-Bescheinigung des geplanten Einsatzes vorzuweisen. Bis diese Woche Mittwoch, als die Klasse 9c die Teilnahmescheine eingesammelt hat, sind schon 320 Zusagen eingegangen. Das entspricht knapp der Hälfte der 679 Eichendorff-Schüler, wobei die organisierende 9c und die schon vom Unterricht befreiten Zehntklässler nicht mitgerechnet werden können.

»Die Kleinen machen am eifrigsten mit«, loben die Neuntklässler die jüngeren Mitschüler. Ihr Klassenlehrer Gerhard Josephy ist aber überzeugt, dass noch einige Anmeldungen nachträglich kommen. Jetzt in der Schlussphase trifft sich die 9c fast täglich für das Projekt. Bisher haben sie 50 Stunden Arbeit hineingesteckt, halb in der Schul-, halb in der Freizeit, berichtet Matthias Schucker. Der Schüler gehört zur Marketing-Arbeitsgruppe, die sich um den Kontakt zu Presse, Funk und Fernsehen kümmert. Die Organisations-Arbeitsgruppe machte das Projekt in allen Klassen publik, kümmert sich um die Firmenbescheinigungen.

Die Verwaltungsgruppe hat rund 800 Briefe geschrieben, an Eltern und Firmen. Andere Schüler haben das Informationsblatt erstellt. Auf die Gruppe »Finanzverwaltung« kommt die Arbeit erst zu: Sie hat bisher im Wesentlichen das Konto eröffnet, von dem aus die Spende an die indische Schule überwiesen werden soll.

Konkret soll mit dem von den Eichendorff-Schülern erarbeiteten Geld ein Holzfußboden in der Jamyang-Ling Schule finanziert werden, dessen Kosten zwischen 2 500 und 3 000 Euro liegen.

In der nahe an der Grenze zu Tibet liegenden Schule ist es auch im Sommer kalt. Im Winter ist sie wegen Temperaturen von unter 25 Grad Minus sechs Monate lang geschlossen. Möbel gibt es für die 180 bis 200 Schüler keine, sie sitzen auf dem Lehmfußboden, auf dem in einigen Räumen ein Teppich liegt.

Es gibt auch kein fließend Wasser, aber dank einer vor einigen Jahren gespendeten Solaranlage Strom sowie einen Computer als einzige technische Einrichtung.

Neben dem Hilfsaspekt finden die Neuntklässler das Projekt an sich spannend. »Es ist toll, dass so viele mitmachen«, staunen sie, hoffen aber, dass sich noch möglichst viele ihrer Mitschüler melden mit der Nachricht und Firmen-Bescheinigung, dass sie am nächsten Dienstag schaffen gehen, statt in die Schule. (GEA)

vom 13.07.2007

 

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